62-1-Beispiele der Verwendung von Ganzsachen im zeitlichen Zusammenhang mit der Währungsreform 1948

Beispiele der Verwendung von Ganzsachen im zeitlichen Zusammenhang mit der Währungsreform 1948 in der Bizone

 

Ganzsachen wurde nicht, wie die Marken der I. und II. Kontrollratsausgaben, mit Posthörnchen (Band oder Netz) überdruckt, sondern fanden nur noch Verwendung

  • zum RM-Tarif bis 20.06.1948 bzw. 21.06.1948 aus der ersten Leerung
  • zu 1/10 der Nominale bis 22.06.1948 bzw. 23.06.1948 aus der ersten Leerung

Danach war eine Verwendung der Ganzsachen nur noch als Formular möglich.

Erst 1949 waren wieder Ganzsachen in der Bizone für DM verfügbar. Es handelte sich um Postkarten mit Werteindruck der Bautenserie mit dem Motiv Holstentor Lübeck in den Wertstufen 8, 10, 20 Pfennig und Antwortkarten zu 10+10 und 20+20 Pfennig.

Aber zurück zu den Ganzsachen rund um die Währungsreform am 21.6.1948.

Nachfolgend zeige ich beispielhaft einige Belege.



Abb. 1: P 962 vom 20.6. – gestempelt „Hanau 1 P 20.6.48. – 20“


Abb. 2: P 962 vom 21.6. aus der ersten Leerung 

             gestempelt „München-Pasing k 21.6.48. – 10“


Abb. 3: P 962 mit Werteindruck in Summe als Zehnfachfrankatur 

             gestempelt „(16) Wiesbaden 21.6.48 – 13“


Abb. 4: P 961 mit Werteindruck in Summe zu 100 RPf und einer 36 I als Ergänzung,

             gestempelt „München 2 ae 21.6.48. – 10“

 Abb. 5: P 962 als reine Zehnfachfrankatur vom 22.6.48 in Summe mit Werteindruck und  

             Marken der I. und II.  Kontrollratsausgabe, gestempelt „Bremen 5 22.6.48.-19“


Abb. 6: P 962 als reine Zehnfachfrankatur vom 22.6.48,

             gestempelt „Gelnhausen f 22.6.48.- 14“ und einem 

             Poststellenstempel „(16) Neuenhaßlau über Gelnhausen“

 

Abb. 7: P 953 als Zehnfachfrankatur vom 22.6.48, mit 6 RPf überfrankiert mit

              Marken der I. und II. Kontrollratsausgabe und einer 38 I,

              gestempelt „Burgdorf (Han) d 22.6.48.-18“

 

  Abb. 8: P 962 mit Werteindruck in Summe als Zehnfachfrankatur vom 23.6.48, erste Leerung,

             gestempelt „Kronach b 23.6.48. – 8“

 

Die folgende Zehnfachfrankatur ist im Michel-Briefekatalog als P 965 ZF Arbeiter 12 Pf graublau gelistet. Es handelt sich aber um die Gedenkpostkarte zum 50. Todestag von Heinrich von Stephan. Somit wäre eine Bezeichnung mit von Stephan oder nur Stephan richtig. Eine Änderung ist aus meiner Sicht notwendig.

Abb.9: P 965 vom 23.6.48 in Summe mit Werteindruck als Zehnfachfrankatur, mit 1 RPf 

            überfrankiert, gestempelt „Glücksburg (Ostsee) b 23.6.48


Belege, die mit Bahnpoststempel als Streckenstempel der Bahnpost versehen wurden, bedürfen einer besonderen Betrachtung. Sie wurden im Bahnpostwagen bearbeitet und stammen aus dem Briefkasten des Bahnpostwagens oder aus nachzuarbeitenden Poststücken der Bahnpostämter, dann richtigerweise mit dem Zusatz „Nachträglich entwertet“.

Die Bezeichnung „Bahnpost“, die befahrene Strecke mit Anfangs- und Endpunkt und „Zug“ waren auf dem Stempel als Inschrift fixiert. Die Zugnummer wurde in der Regel nur für einen Zug vergeben. Eine Uhrzeit war nicht einstellbar. Für die Bezeichnung des Zuges enthielt der Stempel lediglich verstellbare Typenräder mit der Zugnummer, der Tages- und Monatszahl, sowie den beiden Endziffern der Jahreszahl.

Abb. 10: Bahnpoststempelkopf – Maße und Einteilung gem. des Reichspostzentralamtes 

               1935

 

 

Somit dürfte bei Belegen mit Bahnpoststempeln eine Abgrenzung 21.6. bzw. 23.6.1948, erste Leerung oder nicht, nicht plausibel sein.

Mir ist jedenfalls kein beanstandeter Bahnpost-Beleg mit portorichtiger Frankatur bzw. Überfrankierung von diesen beiden Tagen bekannt.

 

 

Abb.11: P 962 als Zehnfachfrankatur vom 23.6.48. in Summe einschl. Werteindruck mit 

              4 RPf überfrankiert, Bahnpoststempel „Kiel – Lübeck Bahnpost Zug 1115.23.6.48“

              

 

Wie anfangs schon erläutert, wurden die Ganzsachen nach Ablauf der Gültigkeit nur noch als Formular, meist als Postkarte, verwendet.

 

Abb.12: P 963 als Auslandspostkarte gelaufen nach Österreich, frankiert mit einer 46 II

              Sonderstempel „Marbach (Neckar) Schillers Geburtshaus 11.7.48 – 7

              Schiller-National-Museum“ - 30 Pf. Für Postkarte Ausland

 

Abb.13: P 955 aufgebraucht als Postkarte Inland, gestempelt „Straubing 8.8.48 – 17“

 - 12 Pf. Postkarte Inland

 

Nach Ende der Gültigkeit der für RM erworbenen Ganzsachen, also nach dem 23.6.1948 aus der ersten Leerung, waren Belege zu beanstanden.


Abb.14: Inlandpostkarte vom 23.6.48 – 16 Uhr, somit wohl nicht aus der ersten Leerung,

              gestempelt „Hamburg 1 23.6.48 – 16“, Nachgebühr 18 Pfennig (12 x 1,5)

 

Abb. 15: Inlandspostkarte vom 25.6.48, Nachgebühr 18 Pfennig (12 x 1,5)

               Landpoststempel „Heiligenkirchen a über Detmold 25.6.48. – 17“

 

Die Verwendung von Ganzsachen in der SBZ und in Berlin bedarf einer besonderen Betrachtung.

Beispielhaft zeige ich nachfolgend eine P 961 vom 25.6.1948, dem ersten Tag der durch die westlichen Alliierten verfügten Währungsreform in den westlichen Sektoren Berlins.

Auffallend ist die die unterschiedliche Entwertung des Werteindruckes und der aufgebrachten Restfrankatur.

 

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Abb.16: P 961 als Zehnfachfrankatur von Berlin-Dahlem (Amerikanischer Sektor)

              nach Bonn (Britische Zone), entwertet vom PA Berlin SW 11 im amerikanischen 

              Sektor, Werteindruck der P 961 mit Maschinenstempel „Berlin SW 11 25.6.48.aa   

              Achtet auf den Kartoffelkäfer – 16“ und Restfrankatur mit „Berlin SW 11 at 25.6.48

              at  19“ – 12 Pfennig Postkarte Inland    

 

 


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