Die Währungsreform - Ein wahrer Neuanfang

Bei einer Währungsreform wird durch Einführung einer neuen Währung der Wert des Geldes und somit die Kaufkraft, im Gegensatz zu einer Währungsumstellung, durch eine Abwertung verändert.

Da die Nazis, vorrangig zur Finanzierung des Krieges, Geld brauchten, warfen sie einfach die Notenpresse an und druckten Reichsmark-Banknoten.

"Durch Lohn- und Preisstopps, durch Bewirtschaftung und Rationierung der Konsumgüter und staatlich verordnetes Zwangssparen waren die Folgen bis zum Kriegsende verborgen geblieben. Als das Dritte Reich zusammenbrach, wurde der Ruin der deutschen Währung sichtbar: Den dreihundert Milliarden Reichsmark, die sich im Umlauf befanden, stand kaum ein Warenangebot gegenüber. Die verbriefte Schuldenlast des Hitlerstaates betrug am Kriegsende mindestens dreihundertachtzig Milliarden Reichsmark, nicht gerechnet viele weitere Milliarden sonstiger Forderungen, die dem Deutsche Reich gegenüber entstanden waren."2)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war somit zwar viel Geld im Umlauf, aber dieses Geld war nichts wert.

Die Reichsmark war fast wertlos geworden.

Als Folge bildeten sich Preise, die von der Bevölkerung nicht bezahlt werden konnten.

Beispielsweise kostete kurz vor der Währungsreform ein Pfund Butter 250 Reichsmark, ein Pfund Kaffee 1.500 Reichsmark, eine einzelne Zigarette 12 Reichsmark, wobei das durchschnittliche Monatseinkommen ca. 170 Reichsmark betrug.

Die Deutschen hungerten.

"Der Mensch hatte 1937 täglich 3075 Kalorien, 77 g Fett und 109 g Eiweiß konsumiert, während er 1947 1300 Kalprien, 10 g Fett und 39 g Eiweiß bekam. Schwerarbeiter, z.B. Bergarbeiter, erhielten eine Zulage."1)

Der deutsche Schauspieler Gert Fröbe z. B. wog seinerzeit bei einer Körpergrösse von 1,86 Meter lediglich 58 kg, ein Gewicht das später auf über 100 kg anwuchs.

 

Die Tagesration eines Normalverbrauchers in der britischen Besatzungszone (1948), Tisch mit Brot, Nährmittel, Zucker, Marmelade

Bundesarchiv, Bild 183-H28811 / CC-BY-SA

 

Unterstützung für die hungernde Bevölkerung kam aus den USA durch die CARE-Pakete.

CARE-Pakete waren fast ausschließlich mit Lebensmittel befüllte Pakete, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges durch amerikanische Wohlfahrtsorganisationen verschickt wurden.

Insgesamt wurden ca. 100 Millionen CARE-Pakete in ganz Europa verteilt.

 

Dieses CARE-Paket enthält 4 Pfund Fleisch, 3 Pfund Butter - je zwei Pfund Mehl, Zucker, Vollmilchpulver - je ein Pfund Reis, Honig, Marmelade und Rosinen, sowie 2 Pfund Kaffee, 1 Pfund Schokolade, 500 Gr. Eipulver und 4 Stück Seife.

Bundesarchiv, Bild 183-S1207-502 / CC-BY-SA

 


(30)Rückseite einer Empfangsbestätigung

(30)Vorderseite einer Empfangsbestätigung als portogerechte Drucksache mit einer 37 II, gestempelt August 1948

(157)Vorderseite einer Empfangsbestätigung für ein Paket, oft auch als "Liebespaket" bezeichnet - gestempelt "Bremen 19.7.48" - Frankiert als Postkarte Ausland mit 30 Pf.

(157)Rückseite der Empfangsbestätigung an die "U. S. EUROPA CORPORATION"
 

 

Fast Alles, was für uns heute selbstverständlich vorhanden ist, fehlte.

Selbst ein simpler Brief wurde "gebastelt" um Nachrichten zu versenden:


(83)Vorderseite mit Schreibpapier aufgeklebt - Portogerecht 60 Pfennig Einschreiben und 48 Pfennig für 2. Gewichtsklasse Inland - gestempelt 30.6.48

(83)Rückseite des Briefumschlages mit Ankunftsstempel vom 1.7.48
 

 

Man mag es kaum glauben, aber selbst Zeitungen waren Mangelware:

 

Schlange vor einem Zeitungsstand in Hamburg auf dem Jungfernstieg im Mai 1948

Bundesarchiv, Bild 183-2005-0802-510 / CC-BY-SA

 

Lebensnotwendige Artikel, wie z.B. Kleidung und Nahrungsmittel gab es nur auf Bezugsschein.

 

Lebensmittelkarte für Obst und Gemüse der Gemeinde Weißbach bei Königsbrück in Sachsen (Sowjetische Zone)

 

Gewisse Dinge des täglichen Bedarfs konnten nur über einen Haushalts-Paß bezogen werden. Diese wurden auch schon während des noch nich beendeten Krieges ausgegeben.


Haushalts-Paß aus Saulgau (Französische Zone) mit Angabe der zum Haushalt gehörigen Personen

Eintragung über Ware, letztmalig am 27.11.1946

Einträge über den Einkauf von Waren, erstmalig am 10.5.1944 - letztmalig am 5.9.1946
 

 

Es blühten als Folge dieser Geldwertentwicklung und Güterknappheit die Schwarzmärkte, die Geschäfte blieben meist leer.

 

 

Der Schwarzmarkt in der Bergmannstrasse Berlin-Kreuzberg, "Polizei kommt!":

Bundesarchiv, Bild 183-S79355 / CC-BY-SA

 

Bei einer Großrazzia gegen den Schwarzhandel beschlagnahmte die Polizei auf dem Bahnhof Schwerte i. Westfalen beträchtliche Mengen von Fleisch- und Wurstwaren, sowie Butter und Fett.

Bundesarchiv, Bild 183-2005-0821-505 / Stachelscheidt / CC-BY-SA

 

 

Besucher gesamt:      61428    Besucher heute:            27

Besucher gestern:            91   Besucher aktuell online: 2

____________________________________________________________________________________________________

1) Pierotti, Paul: Die Wende 20. Juni 1948 - Nach der Währungsreform, Seite 63, Grenz-Echo Verlag GEV, 1997

2) Benz, Wolfgang in: Mein Kopfgeld, Seite 14, Deutscher Taschenbuchverlag, Mai 1988

Nach oben